
Was ist mir wichtig? Was gibt mir Halt?
Am 4. Firmwegabend stand diese wichtige Frage im Zentrum. Mit dem Bild des Lebenshauses stiegen die jungen Menschen in den Abend ein.
Wenn man jung ist, steht das Leben in weiten Teilen noch vor einem. Dennoch wollen sich die wenigsten einfach gedankenlos in die Zukunft treiben lassen. Vielmehr hat man Wünsche und Vorstellungen, was man im Leben erreichen, was man sich aufbauen will.
Mit dem Bild des Lebenshauses wurde dies aufgegriffen. Wenn jemand ein Haus bauen will, das nicht beim ersten Unwetter zusammenstürzt, dann schaut er, dass es ein gutes Fundament hat. Bildlich gesprochen überlegten sich die jungen Menschen, welches denn die wichtigen Fundamentsteine für ihr Lebenshaus sind, das heisst Werte oder Realitäten, die ihnen Halt geben, auf die sie in ihrem Leben ganz fest bauen.

Hier eine Auswahl der Grundsteine, welche die jungen Menschen als besonders wichtig für ihr Lebenshaus ansahen:
„Für mein Lebenshaus ist der folgende Grundstein ganz wichtig: Menschen, die zu mir stehen. Wenn man Probleme hat, sollte man diese möglichst mit jemandem besprechen können. Die Familie ist dazu nicht immer geeignet, also sollte man gute Kollegen haben, denen man sich dann zuwenden kann.“
„Für mein Lebenshaus ist Vertrauen als Grundstein ganz wichtig. Ohne Vertrauen, gibt es keine gute Beziehungen.“
„Der wichtigste Grundstein für mein Lebenshaus ist meine Familie. Ich verbringe viele Zeit mit der Familie. Sie geben mir Kraft und Mut. Wenn ich sie nicht hätte, würde ich mich einsam fühlen.“
„Ein sehr bedeutender Grundstein in meinem Leben ist die Musik. Sie macht mich glücklich und ich verbinde viele Gefühle mit der Musik.“
„Ein ganz zentraler Grundstein für mein Lebenshaus ist eine Arbeit zu haben. Erst dann ist meine Lebensexistenz gesichert. Es ist für mich auch sehr wichtig, etwas zu tun zu haben.“

Plötzlich kommt alles anders
Sascha hatte für den heutigen Abend einen jungen Mann (25) als Gast mitgebracht.
Auf die Frage, welches für ihn mit 17/18 so die wichtigsten Werte waren, antwortete er: Damals wäre Geld und einen guten Beruf zu haben ganz wichtige Werte in seinem Leben gewesen. Doch dann sei von einem Tag auf den andern alles ganz anders gekommen.
Die jungen Menschen erfuhren dann von Sascha, dass der junge Mann momentan in der Strafanstalt seine Haftstrafe abbüsst. Der junge Mann erzählte wie er im Alter von 19 sich mit der Polizei eine Verfolgungsjagd geliefert hatte, um zu verhindern, dass die Polizei seine Freundin wegen eines Verkehrsdelikts büsse. Er habe sich, weil er zu viel getrunken hatte, in eine immer extremere, fast zweistündige Verfolgungsjagd hineingesteigert, bis ihn die Polizei schliesslich festnehmen konnte, Gott sei Dank, ohne dass ein Unfall passiert war.

In der Untersuchungshaft habe er in voller Tragweite realisiert, was er da alles angerichtet hatte. Der Staatsanwalt rechnete ihm vor, dass er wohl mit einer über 5jährigen Haftstrafe zu rechnen hatte.
Vor dem eigentlichen Prozess floh der junge Mann in die Fremdenlegion, wo er schliesslich einige Jahre die Hölle des Krieges in Afghanistan erlebte. "Das könnt ihr euch gar nicht vorstellen, wie furchtbar das ist, da hatte ich manchmal wirklich schreckliche Angst", so meinte er. Schliesslich aber kam er wieder in die Schweiz zurück und stellte sich der mittlerweile ausgesprochenen 36monatigen Gefängnisstrafe, nachdem er erfahren hatte, dass er in der Zwischenzeit Vater eines Kindes geworden war.
Viel hat sich in der Zwischenzeit bei dem jungen Mann verändert. Er hat durch seine extremen Erfahrungen gelernt, was wirklich wichtig im Leben ist. Nach Abbüssen der Haftstrafe will er ganz für seine Familie da sein und sich in seinem erlernten Beruf eine Existenz aufbauen.
Auf seinem schwierigen Weg, wo er die Beziehung zu Freunden und Familie verloren habe, sei ihm aber auch bewusst geworden, wie wichtig der Glaube an Gott für ihn war. Er habe ihm Halt gegeben und er danke Gott immer wieder, dass er ihn die Hölle des Krieges in Afghanistan überleben und einen guten Weg finden liess, sein Delikt abzubüssen, um nachher eine neue Existenz aufzubauen, wo die Familie jetzt ein ganz zentraler Wert sei.

Und wenn bei mir alles anders kommt?
Die FirmkandidatInnen waren beeindruckt, wie offen und ehrlich der junge Strafgegangene über sein nicht so einfach verlaufenes Leben erzählte und wie er ihnen mitgab, dem, was wirklich wichtig im Leben ist, Sorge zu tragen.
Doch was ist, wenn bei mir alles anders kommt? Wenn ein ganz wichtiger Fundamentstein meines Lebenshauses durch einen eigenen Fehler oder durch andere Umstände gefährdet ist?
Die jungen Menschen hatten den Namen ihres wichtigsten Lebensfundamentsteins auf einen Ballon geschrieben. Das überraschende Platzen dieses Ballons machte ihnen bewusst: Auch mein Lebensfundament kann erschüttert werden. Was hält mich dann noch?
Beim jungen Strafgefangenen, wie auch am Beispiel des querschnittgelähmten Skirennfahrers Silvano Beltrametti hatte gerade in dieser Situation der Glaube an Gott eine zentrale Bedeutung gespielt, hatte ihnen den ganz wichtigen Halt gegeben, dass sie nicht abgestürzt sind.
Die jungen Menschen stellten sich in einer Meditation u. a. die Frage, welche Rolle der Glaube bei ihrem Lebensfundament hat und inwiefern er ihnen Halt in schwierigen Situationen geben könnte.
Getragen werden
Ganz wichtig war an diesem Abend die Erkenntnis: Ich bin einerseits selbst verantwortlich für den Bau meines Lebenshauses. Vieles kann ich zu einem guten Lebenhaus beitragen, aber ich kann auch das eine oder andere vergeigen.
Nicht nur darum brauche ich auch die Unterstützung lieber Mitmenschen. Auch das Vertrauen auf Gott, eine lebendige Beziehung zu ihm, kann helfen, dass das eigene Lebenshaus in den Stürmen des Lebens Bestand hat. Diese gute Beziehung zu Mitmenschen und zu Gott ist nicht einfach automatisch da, sie braucht auch Pflege und Sorgfalt. Dies ist ein ganz zentrales Thema des Firmwegs.

Feedbacks
Dass die jungen Menschen vom Thema des Abends und auch von der Begegnung mit dem jungen Strafgefangenen beeindruckt waren, zeigen auch die folgenden Feedbacks:
„Das Thema war interessant, es war spannend, als der Strafgefangene uns von seinem Leben erzählte.“
„Ja es war sehr spannend und abwechslungsreich.“
„Es war interessant, eine so spannende Lebenserfahrung zu hören.“
„Ich fand es sehr spannend, dass ein Mensch, der all diese Bürde mit sich rumtragen muss, so offen darüber spricht.“
„Es war abwechslungsreich durch den Gast und den Film.“
„Das Thema konnte man gut mit sich selber verbinden und sich Gedanken machen.“
„Spannend, eindrücklich, ergreifend.“
„Gutes Thema, da ich mich selbst hinterfragt habe, wer alles zu mir steht und was wichtig für mich ist.“
„Sehr gut. Die Themen wurden sehr gut angegangen.“
„Es war gut und sehr spannend, auch mal zu überlegen, was man selber falsch gemacht hat.“
„Jeder hat versucht, seine Meinung zum Thema aufzuzeigen. Ich habe ebenfalls versucht, meine Meinung zu äussern.“
„Diesmal spielte sich viel in meinen Gedanken ab.“

„Es war gut, jemanden kennen zu lernen, der es nicht immer einfach hatte, aber trotzdem den Mut nie verloren hat. Es war nicht nur Theorie, es war echt. Es hat mich berührt und deshalb auch sehr interessiert.“
„Ich fand den Abend gut und auch sehr kreativ.“
„Viel Glück an den jungen Strafgefangenen für seinen weitern Lebensweg!“
„Super, dass wir einen Gast hatten, der uns so viel erzählen konnte.“
„Tolles und spannendes Thema, war sehr abwechslungsreich.“
„Ich schätzte die gute Rückmeldung der Firmweg-Begleitperson.“

„Sehr interessant und abwechslungsreich. Man sah, wie schnell man sich die Zukunft verbauen kann.“
„Gut und sehr wichtig. Ohne die behandelten Themen würde man im Leben sehr schnell in eine Sackgasse laufen.
„Ich fand das Thema sehr interessant, auch mal zu hören, was andern wichtig ist.“
„Ich habe mir sehr viele Gedanken gemacht, die ich mir zu Hause nie mache.“
„Es war spannend zu hören, was der junge Mann alles erlebt hatte. Gut war, dass ich mir selber dazu Gedanken machen konnte.“

