Christliche Rituale - auch für junge Menschen?

Die Auseinandersetzung mit christlichen Ritualen stand im Zentrum des 5. Firmwegabends, den die jungen Menschen diesmal ganz in der Kapelle resp. der Kirche verbrachten.

Rituale, auch nicht-religiöse, bestimmen unser Leben, unsern konkreten Alltag. Rituale haben aber auch im christlichen Glauben einen wichtigen Stellenwert. Viele dieser Rituale sind den jungen Menschen nicht so bekannt oder vertraut. An diesem Firmwegabend setzten sich die jungen Menschen darum einmal intensiver mit einigen dieser christlichen Rituale auseinander und fragten sich, welche Bedeutung sie für sie und ihr Leben haben könnten.

Gleich zu Anfang wurden die jungen Menschen eingeladen, ein Ritual einmal ganz bewusst zu vollziehen, auch wenn ihnen vielleicht der genaue Sinn dieses Rituals noch nicht bekannt ist, nämlich das Kreuzzeichen mit dem Weihwasser beim Betreten der Kirche. Dass dieses Ritual sehr unterschiedlich bekannt ist, zeigte eine kleine Episode vor der Kapelle: "Wo ist denn dieses Weihwasser?" wollte einer von seinem Kollegen wissen. "Was, das weisst du nicht?!", entgegnete dieser, "gleich beim Eingang jeder katholischen Kirche gibt es doch ein solches Weihwassergefäss!"

 

Firmritual - was passiert da mit mir?

Viele der jungen Leute wissen Bescheid über Rituale, die bei einer kirchlichen Hochzeit üblich sind: Das Segnen der Eheringe, das gegenseitige Anstecken der Eheringe, das jeweilige Ja-Wort, das Segensgebet des Seelsorgers. Das Firmritual ist aber dem grössern Teil noch kaum bekannt, ausser sie waren bei der Firmung von Geschwistern oder KollegInnen schon dabei. Anhand von kurzen Filmsequenzen des Firmrituals versuchten die jungen Menschen zu erkennen, welche rituellen Handlungen bei der eigentlichen Firmspendung vorkommen und was wohl ihre Bedeutung sein könnte. Mit gemeinsamen Kräften gelang dies recht gut. Das Firmwegbegleitteam ergänzte dann in einem mit den jungen Menschen simulierten Firmritual, was die jungen Menschen nicht schon selbst erarbeitet hatten.

Diese Auseinandersetzung mit dem Firmritual, aber auch mit weitern religiösen Ritualen wurden von vielen sehr geschätzt, wie das Feedback eines jungen Mannes unterstreicht: „Ich has cool gfunde sich mit em Ritual vo de Firmig und mit andere Ritä usenand z’setze.“

 

 

Taufe, ein Ereignis, an das sich niemand erinnert?

Nach diesem setzten sich die jungen Menschen in drei Gruppen mit verschiedenen weitern Ritualen auseinander. Eine Gruppe beschäftigten sich mit dem Sinn der Taufe und auch der Frage, ob und warum sie allfällige eigene Kinder einmal taufen lassen wollten. Es ging aber in diesem Zusammenhang auch um mit der Taufe verbundene Ritualen, die auch nach der Taufe ihre Bedeutung haben. Die FirmkandidatInnen lernten in diesem Zusammenhang die Bedeutung des Weihwassers, und des Weihwasserkreuzzeichens kennen. "Mit Gottes Segen unterwegs" stand auf der Etikette jedes mit dem eigenen Namen versehenen Weihwasserfläschchens, das die jungen Menschen erhielten. Sich in einem kleinen Ritual gegenseitig segnen, bewusst das Weihwasserkreuz als Segenszeichen beim Verlassen der Wohnung mit auf den Weg zu nehmen, das sind schöne und wertvolle Rituale, die sich auf die Taufe zurückbeziehen und dieses Ereignis aus dem Babyalter in der Gegenwart aktuell halten. Dieses Ritual mit dem Weihwasser in nächster Zeit einmal ganz bewusst zu pflegen, dazu wurden die jungen Menschen ermuntert. 

 

Beten, was heisst das?

Die zweite Gruppe beschäftigte sich mit dem Thema beten. Einerseits fragten sie sich, was denn beten alles sein könnte, welche Formen und Rituale damit verbunden sein könnten, und was beten denn in ihrem konkreten Leben für eine Bedeutung hat.

Viele Menschen jeden Alters kommen tagtäglich in die Kirche um zu beten. Damit verbinden viele eine schlichtes Ritual, indem sie eine Kerze anzünden. Zahlreiche Menschen schreiben ihre Anliegen auch in das Fürbittebuch, das nebem dem Kerzenständer liegt.

Die jungen Menschen waren beeindruckt von den offenen und ehrlichen Anliegen, die sie im Fürbittbuch fanden und versuchten ihrerseits ein persönliches Anliegen in dieses Buch aufzuschreiben. „Es war spannend, sich mit dem Beten auseinander zu setzen. Es war gut, dass wir dazu in der Kirche waren, das gibt einen besondern Effekt.“ so fasste ein junger Mann seine Erfahrung im Feedback zusammen.

 

Den Kreuzweg mitgehen

In den meisten Kirchen befindet sich ein so genannter Kreuzweg. Das bewusste, meditative Abschreiten und Verweilen bei den 14 Stationen, die Episoden aus diesem Leidensweg Jesu bis zu Tod und Begräbnis aufzeigen, ist ein altes christliches Ritual. 

Dieses Ritual mit dem Kreuzweg Jesu scheint für junge Menschen von heute irgendwie recht fremd, wenn es nur bei einer historischen Rückschau auf das Leben Jesu bleibt. Ein Feedback einer FirmkandidatIn drückt aber aus, dass dies ändert, wenn man in diesem Ritual ganz bewusst den Bezug zur Gegenwart, zum eigenen Leben sucht: „Der Kreuzweg an sich war weniger spannend, ihn aber auf’s eigene Leben zu übertragen aber schon!“
Dieses Feedback zeigte exemplarisch: christliche Rituale haben als museale Bräuche bei jungen Menschen wenig Zukunft, gelingt es aber, den Bezug zur aktuellen Gegenwart zu spüren, dann können auch sehr alte christliche Rituale junge Menschen tief berühren, wie ein junger Mann in seinem Feedback schreibt: „Wir haben etwas Neues über die Kirche gelernt. Es waren eindrückliche und bewegende Momente.“

 

Selber Verantwortung übernehmen

Eine wichtige Veraussetzung für das gute Gelingen des Firmwegs ist, dass die jungen Menschen selber dafür Verantwortung übernehmen. Dies kam diesmal gut zum Ausdruck, indem sich die jungen Menschen der Herausforderung stellten, die das Firmwegteam ihnen am Anfang des Firmwegabends übertragen hatte: "Den zweiten Teil des Abends gestalten nicht mehr wir, sondern ihr."

So brachte jede Gruppe in Eigenverantwortung den andern das näher, was sie in ihrem Atelier gehört und erarbeitet hatten. Dies war eine echte Herausforderung, die aber auch von vielen geschätzt wurde: „Ich fand es sehr gut, dass wir, die Teilnehmenden, grösstenteils die Verantwortung für den Ablauf des Abends trugen.“ wie eine Firmkandidatin schrieb.

Mit einem eindrücklichen gemeinsamen Schlussritual mit den Firmwegkerzen endete dieser Firmegabend.

 

 

Weitere Feedbacks

„Ich fand’s cool. Man konnte sich selbst einbringen. Es war spannend in der Kirche.“

 „Es hat mich zum Nachdenken gebracht, ob ich mein Kind taufen lassen will.“

„Alle haben etwas Persönliches erzählt, das war gut.“

„Unsere Gruppe hat sehr gut gearbeitet, alle haben sich auf das Thema eingelassen, waren aktiv dabei.“

„Es war super und total beeindruckend wie ehrlich und sachlich es war. Die Musik stimmte perfekt dazu.“

„Ich konnte mich nicht so gut für das Thema Rituale motivieren.“

„Das Thema brachte einem zum Nachdenken, ich fand es gut.“

„Es war eine unglaubliche Ruhe und das auch dank der Leitung. Man konnte wirklich in sich reingehen. So einen Firmwegabend hat es gebraucht, war wichtig!“

„Man konnte mit so vielen verschiedenen Gruppen einen sehr abwechslungsreichen Abend gestalten.“

„Man musste sich eigene Gedanken zum Leben machen.“

„Das Thema hat mich nicht so angesprochen. Aber ich fand es gut, einmal an einem Abend nur in der Kirche zu sein.“

„Das Thema war interessant. Es hat uns näher zum katholischen Glauben gebracht.“

„Unsere Gruppe hat das Thema gut aufgearbeitet, ich denke wir konnten es den andern gut vorstellen.“

„Es waren gute Themen. Man spricht sonst wenig darüber.“

„Die Zeit vergeht schnell. Es ist spannend wie immer.“