Gemeindegottesdienst November 2009

"Mir sind zwei vo 56 junge Menschä us Flowil, wo momentan dä Firmweg im Rahme vo Firmig ab 18 mitmached. Am Starttag im Chloschter Magdenau und dä erschte beide Gruppe-Öbed sind mer bereits als Firmweg-Gemeinschaft unterwägs gsi und hend gueti Erfahrige dörfe mache. Uf dem Firmweg wönd mer üs under verschiedene Aspekt mit em christliche Glaube usenenand setze. Im Wüsse, dass mer aber au zu de grössere Gmeinschaft vo dä Pfarrei ghöred, tuet ei Gruppe vo üs dä hütig Gmeindsgottesdienscht mitgschtaltet und möchted Si achli a dem Aateil ha lo, wa mer uf em Firmweg erlebed."
Mit diesen Worten begrüsste Jasmin, eine Firmkandidatin die Gottesdienstbesucher im Sonntags-Gemeindegottesdienst in Flawil, zu welchem die jungen Menschen auch ihre FirmpatInnen und Familienangehörigen eingeladen hatten.
Auf eindrückliche, sehr authentische Art brachten die jungen Menschen etwas von dem ein, was sie auf dem Firmweg bisher erlebt hatten.

Wieso auf dem Firmweg?
„Du Jasmin, wieso machsch du eigentlich de Firmweg?“
diese Frage stellte einer der Firmkandidaten seiner Kollegin am Anfang des Gottesdienstes.
„I möchte viel Neus über mich erfahre und definitiv mit em Glaube in Verbindig cho. Und du Tun, warum machsch du de Firmweg?“
„Jo, i bi scho früener gfirmt worde, aber ich mach de Firmweg jetzt mit Firmig ab 18 nomol, will i no me über de Glaube erfahre will und wil i sicher bin, das das min richtige Glaube isch. Ich erwarte au en unterhaltsami und luschtige Ziit. Aber seg mol Angelina, warum hesch du dich für de Firmweg agmeldet?“
„ Dass i mich mit mir selber befass, mich neu kenne lern, mich mit Religion und Gott chan usenand setze, Spass ha und erwachsener werde. Und du Adriana?“
„Andere hend verzellt, , wie „cool“ dä Firmweg gsi isch. I möcht diä Erfahrig drum au mache. Ich erwarte vieli neui Erfahrige. Und du Claudia?“
„Ich mach dä Firmweg, um min Glaube besser kenne z’lerne und wil i möcht gfirmt werde. Motivierend isch för mi au, dass i do Kollegä wieder gseh. I freu mi au uf d’Firmwegreis noch Assisi.“

Die eigenen Stärken ins Spiel bringen
Deborah, eine der FirmkandiatInnen meinte: „Mer sind uf em Firmweg wiä es Team. Damit mir mitenand Erfolg hend unds för üs alli ä gueti Erfahrig wird, isch es wichtig, dass jede sini Fähigkeite, sini Qualitäte und Stärche iibringt. Am Starttag het sich jedes vo üs überleit, wa so sini Stärchene sind. Diä hend mer denn uf es Stuck Holz gschriebe. Stellvertretend ghöred mer vo es paar Mitglieder vo üsem Team, wa sie für Stärche mitbringed.
„I bin hilfsbereit, sehr gern kreativ tätig, und bin sehr zueverlässig.“ so Romina.
Und Jasmine meinte: „I cha guet zuelose, i bi ehrlich, i diskutiere gern, i bi hilfsbereit.“
Sebastian schliesslich erklärte: „Ich chan guet mit andere zeme i de Gruppe schaffä. I bi fröhlich und humorvoll.“

„All üseri Talent und all üseri Bemühige sind kei absoluti Garantie für e guets Glinge, so meinte Angelina. „Mir möchtet uf em Firmweg au achtsam si uf en anderi Dimension, uf Gottes Geischt, wo üseri Begeischterig am Lebe erhaltet. Ganz viel vo üs hend drum am Starttag au gschriebe: Sie wölled uf em Firmweg sich mit dem christliche Glaube usenand setze i dä Hoffnig, ihre Beziehig zu Gott und sim guete Geischt chöne z’verbessere und wiiter z’entwickle.
Mit Gott unterwegs
"Aber au mit Gott unterwegs sii isch kei Garantie uf es Lebä, wo’s no Sonneschii git." so Angelina weiter. "Au mit Gott unterwegs si, cha üs nöd vor Enttüüschige bewahre. Das hend zwei Fründ vo Jesus au müesse erfahre.“
Es folgte die Geschichte der zwei Jünger, die nach dem Tod Jesu auf ihrem Weg nach Emmaus dem auferstandenen Jesus wieder begegneten.
Ausgangspunkt der Überlegungen, die der Firmwegbegleiter Sascha Gees den jungen Menschen mitgab, waren das momentan überall hängende Freidenkerplakat mit der Aufschrift : „Da ist wahrscheinlich kein Gott, also sorg dich nicht und geniess das Leben.“ und die Aussage des kantonalen Präsidenten dieser Vereinigung der behauptete, Religion sei Selbstbetrug und er sehe nicht ein, warum er an eine Grossvaterfigur glauben solle, der über den Wolken schwebe und alle Fäden ziehe.
"Wäre Gott tatsächlich so eine Grossvaterfigur, dann hätte ich auch Mühe an ihn zu glauben," so meinte Sascha Gees. Doch die Erfahrung der Jünger auf dem Weg nach Emmaus hätten gezeigt, dass Gott gerade keine fern über den Wolken schwebende Grossvaterfigur sei, sondern den Weg auf dieser Erde mit uns gehen wolle. Die Kunstwerke, welche die jungen Menschen am vergangenen Firmwegabend geschaffen hätten, und welche jetzt in der Kirche ausgestellt sind, würden dies eindrücklich bestätigen. Sie seien eine grosse Bereicherung für das eigene Gottesbild, denn ihnen stecke etwas von dem Feuer, das die Emmausjünger entdeckten, als sie nach der Begegnung mit Jesus zueinander sagten: „Brannte uns nicht das Herz, als er unterwegs mit uns redete?“ Sie zeigten aber auch, dass Gott keine Schreckfigur sei, so dass man das Leben erst geniessen könne, wenn man sich von ihm verabschiede. Dies zeige auch ein Plakat, das momentan in Luzern als Reaktion auf die Freidenkerplakate hänge: „Es spricht vieles dafür, dass Gott wirkt. Sorg dich nicht, geniesse dein Leben und vergiss die Andern nicht.“
Firmwegkerzen als Wegbegleiter
Der Firmweg ist ein Weg, der nicht automatisch gelingt. Es sind Hoffnungen und Erwartungen da, es braucht den guten Teamgeist, aber auch den Hl. Geist von oben. Als Ausdruck dafür haben die FirmkandidatInnen am Starttag eine persönliche Firmwegkerze gestaltet, die sie auf diesem Weg begleiten soll. Stellvertretend stellten einige FirmkandidatInnen am Schluss des Gottesdienstes ihre Firmwegkerze vor.
Nicole: „S’ Chrüz uf dä Cherze stoht für dä Glaubä. D’Strahle gönd vom Chrüz us. Zum Teil sind die Strahle klari Zeiche, wie z. B. d’Bible, z. Teil aber au unklari Zeiche, wo mer uf üsem Lebesweg vo Gott überchömed. Dä Schnegg söll darstellä, wiä mer üsi Lascht uf üs selber träged, er chrücht aber in Richtig vom Chrüz. Er will sini Sorge und Freude mit Gott und andere Lüüt teile.“
Sebastian: „Mit de Symbol uf minerä Cherze han i wöllä d’Gemeinsamkeite und d’Gegesätzt zwüsched dä Religion und de Mensche ufzeige. Was diä beide verbindet, isch, dass Gott dur Jesus Mensch worde isch. En Gegesatz isch, dass Jesus wieder in Himmel ufgschtiege isch."
Jasmine: „I ha e Chrüz imene Herz dargstellt, wil för mi dä Glaube tüf im Herz isch und döt Wurzle schloht.“
Raphael: „Uf minere Cherze cha mer en Mensch gseh, wo ebenfalls wie mer churz vor de Firmig stoht. D’Symbol um de jung Firmling sind sini Gedanke und Erwartige an Firmweg. Er weiss no nöd so richtig, wiä sini Zuekunft usgseh wird. (Frogezeiche) Er weiss au no nöd, wie’s mit sim Glaube stoht (Chrüz) Er het so viel Froge, wo hoffentlich uf em Firmweg beantwortet werded.“
Am Schluss des Gottesdienstes gaben die jungen Menschen den GottesdienstbesucherInnen eine Karte mit dem Bild ihrer Firmwegkerze mit und baten sie, im Gebet oder sonst auf eine Weise an sie zu denken. Die zahlreichen positiven Reaktionen der GottedienstbesucherInnen zeigten, wie sehr die jungen Menschen sie mit ihren eindrücklichen Gedanken berührt hatten.



