Religiöse Rituale

Im ganz normalen Alltag gibt es wohl bei jedem eine ganze Reihe von Ritualen. Darum ist es auch nicht verwunderlich, dass alle Religionen ihre Rituale kennen, auch die christliche.

An diesem Abend, den die jungen Menschen für einmal ganz in der Kirche verbrachten, ging es darum ein paar dieser Rituale etwas genauer anzuschauen und letztlich auch auszuprobieren.

An diesem Abend war etwas anders als sonst: Während sonst die FirmwegbegleiterInnen die Leitungsverantwortung an den Abenden inne haben, übergaben sie im zweiten Teil des Abends die Leitungsverantwortung den FirmkandidatInnen selber, die in einzelnen Gruppen ihre KollegInnen selbstständig durch den zweiten Teil des Abends führten. Dies klappte sehr gut und kam auch bei den allermeisten sehr gut an: „ Ich fand es sehr spannend. Ich finde es toll, wenn wir selber die Verantwortung übernehmen mussten.“ so eine Firmkandidatin stellvertretend für das was viele in ihrem Feedback schrieben.

Taufe / Weihwasser

Eines der ersten religiösen Rituale, welche die FirmkandidatInnen erlebt haben, obwohl sich kaum jemand daran erinnern kann, ist die Taufe. Eine grosse Zahl der jungen Menschen ist in der St. Laurentiuskirche noch vom damaligen Pfarrer und jetzigen Bischof Markus Büchel getauft worden. Jetzt rund 17-18 Jahre später setzten sich zunächst eine Gruppe der jungen Menschen nochmals mit diesem Ereignis und seiner Bedeutung, auch anhand der verschiedenen Rituale, die bei der Taufe vollzogen werden auseinander. Im zweiten Teil, den diese Gruppe leitete, konfrontierten die jungen Menschen dann ihre andern KollegInnen mit der Frage: Würdest du dein Kind taufen lassen und warum? Es gab eine lebhafte Diskussion unter den jungen Menschen. Die allermeisten der jungen Leute beantworteten diese Frage mit Ja: „Ich würde mein Kind taufen lassen, damit es den Segen Gottes hat und für die Zukunft die Chance hat, den christlichen Glauben zu erleben, wenn es will.“ „Die Taufe gehört zum christlichen Glauben dazu. Ich will auch, dass meine Kinder diesen Glauben haben.“
Die Gruppe erklärte ihren KollegInnen die Bedeutung des bei der Taufe verwendeten Weihwassers. Sie gaben dann allen ein kleines Fläschchen mit Weihwasser ab. „Mit Gottes Segen unterwegs“ stand drauf. Sie luden ihre KollegInnen ein, in der nächsten Zeit ein altes christliches Ritual in ihrem Alltag auszuprobieren, indem sie z. B. beim Verlassen der Wohnung ganz bewusst mit dem Weihwasser das Kreuzzeichen machen und sich so bewusst werden, dass sie in ihrem Alltag mit Gottes Segen unterwegs sind, den sie schon bei der Taufe auf ihren Lebensweg mitbekommen hatten. Sie luden ihre KollegInnen in der Kirche ein, einander gegenseitig mit dem Kreuzzeichen auf die Stirn zu segnen. 

Beten

Eine andere Gruppe hatte sich mit dem Thema Beten auseinander gesetzt. Wann und wo bete ich? Was heisst beten? Was bringt das? Gibt es auch Gebetsrituale? In einer von ihnen geführten Meditation luden sie ihre KollegInnen ein, sich mit dem Beten ganz persönlich auseinander zu setzen.  Dann stellten sie ihren KollegInnen das Ritual des Kerzen anzündens und das Fürbittbuch vor, das in der Kirche aufliegt, wo viele Menschen hinkommen und ihre Anliegen oder Bitten an Gott hineinschreiben. Die jungen Menschen schrieben dann selber ein Gebet in dieses Buch. Es war eine eindrückliche Ruhe und Ernsthaftigkeit unter den jungen Menschen spürbar, als die einzelnen ihre Gebete ihren KollegInnen vorlasen und mit dem Anzünden einer Fürbittkerze abschlossen.

Der Kreuzweg

Eine andere Gruppe hatte sich mit dem Ritual des Kreuzwegs auseinander gesetzt. Das bewusste Abschreiten der 14 Stationen aus Jesu Leidensweg und Tod ist ein altes christliches Ritual. Die jungen Menschen haben es ganz bewusst an diesem Abend ausprobiert. Sie stellten anschliessend ihren KollegInnen vor, welche Station sie ganz besonders bewegt hatte und was das mit ihrem Leben zu tun hat:

„Ich finde die letzten Handlungen von Jesus sehr eindrücklich. In der Schule und in der Lehre erlebe ich manchmal auch Leid und Hoffnung.“

„Mich hat das Bild angesprochen, wo Simon von Zyrene Jesu hilft, das schwere Kreuz zu tragen. Ich habe das selber schon sehr geschätzt, wo eine Last für mich zu schwer wurde, dass ein anderer sie für mich getragen hat.“

„Mich hat beeindruckt, wie Jesus immer weiter seinen Weg geht, egal, was passiert.  Als ich beim ersten Arbeitgeber aufhören musste, hatte ich auch zu kämpfen, bis ich eine neue Lehrstelle fand. Das bedeutet für mich, dass ich immer an mich und meine Mitmenschen glauben muss und kann.“

„Mich beeindrucken die Bilder, wo Jesus immer wieder hinfällt, er könnte sich auch weigern, das Kreuz zu tragen, aber er will es unbedingt tragen.“

Das Firmritual

Eine letzte Gruppe setzte sich mit dem Firmritual auseinander. Indem sie das Firmritual vorführten, erklärten sie ihren KollegInnen den Sinn des Firmrituals als ganzem, der Salbung mit Chrisam, und die Bedeutung des Firmpaten.

Der Abend endete mit einem eindrücklichen Abschlussritual, wo die jungen Menschen einen Kreis um den Altar bildeten und mit ihrer an der Osterkerze angezündeten Firmwegkerze, die sie am Starttag gestaltet hatten, in einem geführten Gebet auf den bisherigen Firmweg zurück und auf die bevorstehende Firmwegreise nach Assisi  vorausschauten. In einem gemeinsamen Vater unser dankten sie für das bisher Erlebte und baten um den Segen für die Reise.

Feedbacks

Der Abend kam gut an, wie die folgenden Feedbacks zeigen:

"Gedanken/Gebet aufschreiben hab ich zum ersten Mal gemacht, es hat irgendwie gut getan."

"Es war gut, es war ein Thema, mit dem ich mich sonst nicht befassen würde."

"Wir konnten heute alleine (ohne Leitung) unsern KollegInnen erklären, was unser Thema war. Das hat mir sehr gut gefallen."

"Es war spannend, mal etwas mehr über die Rituale zu erfahren."

"Ich fand es toll, dass wir es fast alleine vorbereiten mussten."

"Es war eine gute Vorbereitung auf Assisi."

"Ich habe es gut gefunden, dass wir einmal die Führung übernehmen konnten."

"Alle konnten sich gut daran beteiligen."

"Jeder musste mitdenken / mitarbeiten."

"Unsere Gruppe hat ihren Auftrag gut gelöst, hat ehrlich und seriös gewirkt."

"Ich fand das Thema eigentlich noch gut, weil ich mir über diese Rituale noch nie wirklich Gedanken gemacht habe."

"Immer wieder spannend finde ich Themen, bei denen eine betroffene Person ihre Geschichte erzählt."

"Ich fand es noch gut, da man sehen konnte, was sich hinter den verschiedenen Ritualen verbirgt. Nun weiss ich die Bedeutungen."

"Jeder, der ein Kind hat, kommt in die Situation, wo er sich ernsthaft überlegen muss: Will ich es taufen lassen oder nicht?"