Tod und Leben

Am 3. Firmwegabend stand dieses herausfordernde Thema im Mittelpunkt.
Der Einstieg passierte auf dem Friedhof am Grab eines jungen Mannes, der völlig unerwartet viel zu früh gestorben war. Sein Cousin erzählte den jungen Menschen am Grab, wie er mit diesem tragischen Ereignis umgehen lernen musste. Viele Fragen nach dem Warum seien ihm damals gekommen. Es sei ihm auch bewusst geworden, dass der Tod letztlich auch ihn jederzeit treffen könnte.
Am Anfang hätte es ihm sehr viel Mühe gemacht, an diesem Grab zu stehen, meinte der junge Mann. Doch mittlerweile sei das Grab seines Cousins ein Ort, wo er gerne ab und zu einmal hinkomme, weil er die Ruhe und die Möglichkeit schätze, sich hier ganz besonders mit dem verstorbenen Cousin verbunden zu fühlen.

„Ich fand es beeindruckend, wie er dies erzählen konnte“, meinte eine Firmkandidatin nachher. Einer ihrer Kollegen meinte: „Wenn man eine geliebte Person verliert, und man von ihr an diesem Ort noch so erzählen kann, dann muss man schon Mut haben.“ „Ich stellte mir vor, was ich an seiner Stelle getan hätte“, meinte ein anderer.
In einem kleinen Input wurden die jungen Menschen darauf aufmerksam gemacht, dass der Friedhof als Ort der Toten mitten im Leben, mitten im Dorf liegt. Auf dem Friedhof ist darum beides präsent: Tod und Leben, denn auf vielen Grabsteinen kommt mit Symbolen oder Inschriften zum Ausdruck, dass die Menschen, die hier begraben liegen, eine Hoffnung auf ein Weiterleben in einer andern Welt haben. Die FirmkandidatInnen wurden eingeladen, ganz bewusst auf dem Friedhof umher zu gehen, auf die Gefühle zu achten, die ihnen hoch kommen. Ganz zum Schluss sollten sie eine brennende Grabkerze bei einem Grab ihrer Wahl hinstellen.
Spezieller Ort
Anschliessend tauschten die jungen Menschen aus, wie es ihnen auf dem Friedhof ergangen war.
„Ich wusste, dass irgendwo meine Urgrosseltern liegen und habe zufällig ihr Grab gefunden.“ meinte ein junger Mann.
Andere äusserten sich so: „Ich genoss die Ruhe an diesem Ort.“
„Auf dem Friedhof inmitten dieser vielen Toten Menschen ist immer mit einem komischen Gefühl verbunden.“
„Es war schön, wieder einmal die Ruhe zu geniessen. Ich dachte dabei an meinen verstorbenen Opa und an die Zeit kurz nach seinem Tod.“
„Der Ort ist einzigartig und man geht immer mit einem dumpfen Gefühl auf Friedhöfe.“ „Es ist ein schöner und auch trauriger Ort mit Erinnerungen an Verwandte. Es macht mich irgendwie nachdenklich.“
Es wurde spürbar, dass unterschiedliche Betroffenheiten da waren. Eine grössere Zahl der jungen Menschen hatte noch nie den Tod eines ihnen lieben Menschen erlebt. Andere aber hatten da zum Teil einschneidende Erfahrungen gemacht.

"Der Tod ist für mich wie..."
Nach einer Meditation unterlegt mit Bildern und einem Text aus dem Buch Kohelet wurden die jungen Menschen eingeladen, in zwei Sätzen und einem Bild auszudrücken, was der Tod denn für sie bedeute. Es entstanden eindrückliche Plakate, die dann einander vorgestellt wurden. Sehr oft wurde deutlich, wie wichtig es den jungen Menschen gerade angesichts des Todes ist, das Leben richtig wert zu schätzen.
Immer wieder stand dabei auch die Frage im Raum, ob es denn nach dem Tod einfach aus sei, oder ob es irgend ein Weiterleben gäbe. Die Meinungen waren sehr unterschiedlich.
Der Tod nicht das Ende?
Anhand des Bibeltextes vom ungläubigen Thomas setzten sich die jungen Menschen mit der zentralen, aber nicht leicht zu glaubenden Botschaft des christlichen Glaubens auseinander, nämlich dass Jesus vom Tod auferstanden sei und auch wir Menschen an ein Weiterleben nach dem Tod glauben dürfen.
Ganz zum Schluss erzählte Hans, wie sein krebskranker Bruder gegen seine Krankheit und für sein Leben gerungen hat und wie viele Fragen das Leiden dieses jungen Menschen bei seiner Familie und seinen Freunden ausgelöst hat. Nichtsdesto trotz habe sein Bruder immer eine ungeheure Lebensfreude ausgestrahlt. Doch die heimtückische Krankheit erwies sich leider doch als stärker. Aber mit dem sicheren Tod vor Augen spürte

Hans’ Bruder, dass Gott ihn nicht fallen lassen würde und dass er darum auch über den Tod weiter leben dürfe. Mit diesem festen Gottvertrauen habe Pirmin seiner Familie, aber auch seinen Freunden ungeheuer geholfen, mit der schweren Situation fertig zu werden. Er habe vielen geholfen, an das Leben zu glauben, an das Leben vor und an das Leben nach dem Tod. Dies komme auch auf dem Grabstein seines Bruders zum Ausdruck, wo vor einer aufgehenden Sonne aus dem Kreuz neue Blätter wachsen.
„Das was Hans da von seiner Erfahrung mit seinem Bruder erzählt hat, war sehr eindrücklich“. So fasste eine der FirmkandidatInnen zusammen, was wohl viele dachten.
Der Abend hatte die meisten beieindruckt und auch berührt, dies zeigten auch die schriftlichen Feedbacks:
„Ein sehr gutes Thema, welches einem beschäftigt und einem auch weiter begegnen wird.“
„Es ist ein schwieriges Thema, das für mich im Moment noch schwer zu begreifen ist. Aber ich fand es gut, dass wir mal darüber diskutieren konnten.“
„Ich fand die Geschichten, die am Grab und am Schluss erzählt wurden beeindruckend. Ich denke, es hätte nicht eindrücklicher „vermittelt“ werden können als mit diesen Geschichten. So ist man wie selber dabei.“
„Es war für mich das tiefgründigste Thema bis jetzt, etwas, das im Leben am Wichtigsten ist, um mal darüber gesprochen und nachgedacht zu haben.“
„Ich finde es sehr gut, sich mal mit dem Tod zu beschäftigen.“
„Es war spannend, ich habe viel Neues mitbekommen.“
„Es ist ein wichtiges Thema, über das man sich „in der normalen Welt“ keine Gedanken machen will. Es war sehr realitätsbezogen, eindrückliche Geschichten.“
„Es war ein sehr berührendes Thema.“
„Ich fand das Thema einerseits gut, andererseits weniger. Der Tod ist ein sehr kompliziertes Thema, deswegen beides.“
„Das Thema war gut. Es war spannend zu hören, wie andere über dieses Thema denken, wie sie dazu stehen.“
„Ich finde es gut, dass wir dieses Thema durchgenommen haben, da man sonst nie darüber spricht. Aber ich finde es sehr komisch, darüber zu sprechen, weil man irgendwie nichts Genaues weiss, doch. Aber es gefällt mir auch, da es doch mich selber auch betrifft.“
„Der Abend war wieder gut und ich freue mich auf den nächsten.“